Mädchenhaus
Postfach 1353
8031 Zürich

Texte von Bewohnerinnen

Hier findest du Texte und Gedichte, die Bewohnerinnen des  Mädchenhauses geschrieben haben.

Mit Geld kann man vieles machen,
schenkst Du mir für Geld ein Lachen?
Oder Liebe, Verständnis, Gebrogenheit?
Sag' mir: wäre ein "ja" wirklich die Wahrheit?
Brauche die Vergangenheit, um das Jetzige zu verstehen,
brauche Mut, um in die unbekannte Zukunft zu gehen!
Brauche Hoffnung, um zu leben,
muss was haben, um zu geben.
Das Zuhause sollte man auch nicht vergessen,
einen Ort zu schlafen, zu trinken und zu essen.
Brauche Freunde, Familie, die mich stützen,
die mir helfen und mich und unterstützen.
Sag' mir nicht, dass ich was falsches sage,
sag' mir nicht, dass ich hiermit was wage,
sag' mir nicht, wer und wie ich bin,
denn nicht alles hat einen Sinn...

Sweety

Wir haben ein Leben, ein Leben mit Höhen und Tiefen,
mit unvergesslichen Momenten und darunter auch solche,
die wir am liebsten vergessen würden…
Ein Leben voller Glück, Freude und Liebe,
ein Leben voller Trauer, Schmerz und Sehnsucht…
Ein Leben voller Entscheidungen,
ein Leben voller Fehler…
Ein Leben voller Lob und Anerkennung.
Ein Leben voller Gefühle und Geheimnisse.
Ein Leben, um zu lernen, ein Leben, um zu vergeben…
Ein Leben, das nur uns gehört,
ein Leben, wo kein anderer zu bestimmen hat…
Ein Leben, um zu leben,
ein Leben um zu sterben…
Ein Leben, um zu zeigen, wer wir sind!

F.S.

Das schönste.......
schön ist alles, was Himmel und Erde verbindet: der Regenbogen, die Sternschnuppe, der Tau, die Schneeflocke – doch am schönsten ist das Lächeln eines Kindes, das die himmlischen Wiesen noch nicht vergessen hat......
Das Herz.....
Ein Herz kann zerbrechen, wenn man es zu arg verletzt. Doch es kann wieder gesund werden, wenn ein anderer Mensch ihm Mut zuspricht und neues Vertrauen schenkt, dass es nicht gleich wieder in tausend Stücke zerbricht........
Sich öffnen......
Nur wenn man sich öffnet, kann das, was man im Herzen hat zur Entfaltung kommen. Ich wünsche allen, dass sie sich nicht verschliessen, damit die verborgene Schätze ans Tageslicht gelangen können.....

ohne Namen

Umschlungen in der Welt der Dunkelheit, vergessen die schöne Momente in der Vergangenheit, gedankenlos am Tag, dafür weinend in der Nacht als ich im Bett lag!
Hatte Angst davor abgestossen zu werden von der Liebe!
Am Schluss habe ich es geschafft, heute bin ich die, die siegte!!!

D.A.

Habe Angst einzuschlafen,
um dann nicht wieder aufzustehen.
Habe Angst an einer Kreuzung zu landen,
und dann den falschen Weg zu gehen.
Habe Angst eine Entscheidung zu fällen,
die ich irgendwann bereue.
Habe Angst Schwäche zu zeigen,
Liebe, Verständnis, Reue.
Habe Angst vor der Zukunft,
vor meinem Leben.
Habe Angst zu versagen,
zu wenig zu geben.
Habe Angst vor meinen Gefühlen,
vor meinem eigenen ich.
Habe Angst vor so vielem,
verstehst du mich nicht?!

Sweety

Ein Jahr danach.
Hallo, mein Name ist DU. Ich heisse nicht wirklich Du, aber ich denke, dass die Person, die diesen Brief liest, meinem alten Ich sehr ähnlich sein wird. Nämlich dem Ich, welches vorhat, seinem Leben selbst eine Richtung zu geben, und nun beginnt, dafür zu kämpfen.
Ich will dir meine Geschichte erzählen und hoffe gleichzeitig auch, dir ein paar nützliche Tipps auf den Weg geben zu können. Nun, ein Auszug ist keine Schande. Er ist ein Zeichen dafür, dass du ausbrechen willst, dass du etwas Schlechtem in deinem Leben ein Ende setzen willst. Ich habe mir jahrelang überlegt, von zu Hause auszuziehen, und als ich im Mädchenhaus war, war ich erstaunt, wie viel jünger andere Mädchen waren. Da habe ich mich gefragt, wieso ich nicht früher weg bin, aber heute stelle ich mir diese Frage nicht mehr. Jedes Mädchen entscheidet das für sich selbst, jede junge Frau wird den richtigen Zeitpunkt selbst finden und dann dementsprechend handeln.
Die Tatsache, dass ich mir jahrelang darüber Gedanken gemacht habe, hat auch dazu geführt, dass ich alles ganz genau geplant habe. Ich hatte zwei beste Freunde, mit denen ich darüber gesprochen habe, und diese haben mich auch dabei unterstützt. Es ist schwierig, sich jemandem zu öffnen, da auch die Gefahr besteht, auf Unverständnis zu stossen. Ich hatte Glück und war natürlich auch ziemlich froh darüber!
Einen Monat vor meinem Verschwinden habe ich begonnen, wichtige Schulbücher und Dinge bei meinen beiden Freunden unterzubringen, ausserdem habe ich – und das ist das Wichtigste! – wichtige Dokumente von mir gesammelt beziehungsweise teilweise auch nur Kopien davon gemacht, damit meinen Eltern nichts auffiel. Ganz wichtig sind natürlich dein Ausweis, dein Pass, deine Schulzeugnisse, deine Kreditkarte(n). Ausserdem habe ich an einem Morgen, als ich sicher war, alleine zu sein, Dokumente meiner Krankenkasse und anderer Versicherungen kopiert. Obwohl ich keine Ahnung von Krankenkassen, Versicherungen oder von Dokumenten wie meinem Geburtsschein oder dem Trauschein meiner Eltern hatte, habe ich alles, was mir wichtig schien, kopiert und gut in meinen Sachen versteckt. An diesem Morgen wurde mir erstmals bewusst, dass mein heimlicher Auszug naht.
Es ist wirklich wichtig, dass du diese Dokumente bei dir hast. Ich weiss, dass es nicht für jede möglich sein wird; für diejenigen, die die Möglichkeit haben: Bitte sammelt Eure Dokumente ein und bewahrt sie an einem sicheren Ort auf (ihr werdet sie früher oder später sicher brauchen!).
Ich hatte ein halbes Jahr vor meinem Auszug angefangen, eine Jugendpsychologin im Ask-center Aarau zu besuchen. Diese Center gibt es überall in der Schweiz, und die Fachpersonen sind sehr hilfsbereit. Für Schüler, Lehrlinge und Studenten sind die Hilfeleistungen natürlich kostenlos.
Dort konnte ich offen und ehrlich über meine Probleme sprechen, und so wurde mir auch vor Augen geführt, dass ein Auszug der erste Schritt, jedoch nicht alles ist. Nach dem Auszug ist man mit vielen schwierigen und weniger erfreulichen Dingen konfrontiert. Die Eltern versuchen einen zu erreichen; am besten – und das habe ich auch getan – wechselt ihr eure Handynummer und löscht euren E-Mail-Account wie auch euer Facebook-Profil für eine Zeit lang. Ich habe meinen Eltern einen persönlichen Brief geschrieben und ihnen darin mitgeteilt, dass ich Zeit brauche und mich später melden werde.
Mach dir vor deinem Auszug ernsthaft Gedanken darüber, ob dieser Schritt wirklich nötig ist. Sprich am besten mit einer Fachperson über deine Probleme, und du brauchst auch keine Angst davor zu haben, dass deine Eltern oder sonst jemand etwas davon erfahren werden, da diese der Schweigepflicht untersteht. Es ist sehr wichtig, dich jemandem anzuvertrauen, denn häufig verdrehen wir die Dinge selbst. Ich habe beispielsweise vieles schlimmer gesehen, als es tatsächlich war. Ich habe mich selbst in Depressionen gestürzt und meinem Leben den Sinn genommen, ohne mir der schönen Dinge meines Lebens bewusst zu sein. Auch ich habe viel Schlimmes durchgemacht; heute weiss ich, dass das alles Unrecht war, aber es hat mich auch stärker gemacht. Ich bin unabhängiger, erwachsener und entschlossener. Ich kann heute glücklicher sein und fühle mich freier!
Der Tag, an dem ich von zu Hause ausgezogen bin, war auch der Tag, bevor meine Familie in die Ferien wollte. So fielen auch keinem meine voll gepackten Taschen mit meinen Kleidern auf. Als ich am Nachmittag allein zu Hause war, hat mich ein Freund vor der Tür abgeholt und ich bin weg. Damals hinterliess ich meinen Eltern einen Brief, in dem ich geschrieben habe, dass ich nun weg wäre. 
Auf dem Weg ins Nirgendwo wurde mir klar, was ich getan hatte. Mit voller Wucht packte mich der Schmerz, und ich fühlte mich schuldig. Ich wollte mir selbst die Schuld dafür geben, meiner Familie wehgetan zu haben. Heute weiss ich, dass mich keine Schuld trifft, meine Familie hatte häufig die Möglichkeit gehabt, sich zu bessern, und sie hat die Chance nicht genutzt. Heute ist ihr vieles bewusst. (Wenn du von zu Hause weggehst, bedeutet das nicht, dass du deine Familie nie wieder sehen wirst. Man wird sich bemühen, dir deine Familie wieder näher zu bringen, sofern dies natürlich möglich ist; man wird dich jedoch nicht in Gefahr bringen!)
Die erste Nacht habe ich bei einer Freundin verbracht, ich hatte mein Handy ausgeschaltet, und am nächsten Morgen habe ich im Mädchenhaus angerufen* und konnte auch am gleichen Morgen dahin fahren. (Der Ort bleibt anonym, erfährst du dann am Telefon, halte dich immer daran. Schliesslich gibt es auch andere Mädchen im Haus, die dort Schutz suchen!).
Im Mädchenhaus hat man mich sehr freundlich empfangen, und auch die dort wohnenden Mädchen waren alle ziemlich nett. Ich fühlte mich sofort akzeptiert und war sehr, sehr, sehr froh darüber.
Auch die Teamfrauen waren sehr zuvorkommend und total lieb! Du kannst sicher sein, dort in guten und warmen Händen zu sein!
Natürlich wirst du von den Teamfrauen beziehungsweise von einer Teamfrau über deine Situation ausgefragt. Man wird dir Fragen stellen, und ich rate dir, diese ehrlich zu beantworten. Man will und wird dir dort weiterhelfen, niemand wird dich deinem Schicksal überlassen.
Es dauerte ein paar Tage, bis ich mit der Situation klargekommen bin, aber ich habe es geschafft. Jedes der anwesenden Mädchen hat es geschafft. Man kocht zusammen, schaut zusammen TV, hat Internetzugang, Bücher, Musik und immer irgendjemanden zum Quatschen. Dasselbe gilt auch für die Teamfrauen, auch sie waren nicht nur Fachleute für mich, sondern auf eine Art und Weise wurden auch sie zu Freundinnen. Wir haben zusammen gelacht und zusammen auch über ernstere Themen gesprochen. Schliesslich geht es darum, dich aus deiner Problemsituation zu befreien und eine Lösung für dich zu finden.
Ich bin drei Wochen im Mädchenhaus gewesen, danach bekam ich eine eigene kleine Wohnung und habe meinen Maturabschluss nachgeholt. Ich kann dir nur raten, dich nicht aufzugeben. Es ist nicht leicht ohne Familie, aber bei der Familie zu bleiben und sich dabei selbst zu verlieren, wenn nicht sogar zerstören zu lassen, ist ein grösserer Fehler. Steh zu dir und zu deinen Rechten. Leb dein Leben, so wie DU es willst!
Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass du deinen Weg gehen wirst!
D., ehemalige Mädchenhausbewohnerin

* Die Nummer des Mädchenhauses habe ich über eine Sozialarbeiterin meiner Gemeinde erhalten. Ihr könnt jedoch auch auf die Homepage des Mädchenhauses ZH gehen, wo ihr die Nummer oder E-Mail-Adresse findet.

DU