Mädchenhaus
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Wissenswertes

Vorkommen und Ausmass von Gewalt an Mädchen und jungen Frauen

Gemäss Amnesty International ist Gewalt an Frauen und Mädchen das «weltweit am meisten verbreitete und alltäglichste Menschenrechtsproblem, welches über alle kulturellen und religiösen Grenzen hinweg, quer durch alle Schichten und Altersklassen, in allen Ländern der Welt vorkommt. Häusliche Gewalt ist die Hauptursache für Gesundheitsschädigungen oder den Tod von Frauen zwischen 16 und 44 Jahren ist.

 

Folgen der Gewalterfahrungen

Die Folgen erlebter Gewalt und der mit ihr einhergehenden Traumatisierung sind vielfältig. Sie sind abhängig vom Entwicklungsstand und den persönlichen Bewältigungsstrategien der Betroffenen, der Art der Beziehung zwischen Opfer und TäterIn, der Häufigkeit, der Dauer und der Intensität der Taten sowie den Reaktionen des sozialen Umfeldes. Zu betonen ist in diesem Zusammenhang, dass die TäterInnen verschiedene Strategien (z. B. Drohungen, Isolation von anderen Bezugspersonen) anwenden, um die Opfer zum Schweigen zu bringen, und dass es gerade Opfern von sexueller Gewalt im näheren sozialen Umfeld häufig über Jahre verunmöglicht wird, mit Aussenstehenden über die erlittene Gewalt zu sprechen und sich erfolgreich gegen die Übergriffe zu wehren. Oft gelingt es ihnen erst im Jugendalter, nach aussen zu treten und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die jahrelang erlebte Traumatisierung erhöht die Gefahr schwerer Folgeerscheinungen.
Charakteristische Folgen von Gewalt sind Schuld-, Scham- und Ohnmachtsgefühle, Ängste, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie ein tiefer Vertrauensverlust in nahe Bezugspersonen. Betroffene verlieren oft das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen und sind mit der Bewältigung des Alltags überfordert. Um mit der erfahrenen Gewalt und der Erinnerung daran weiterleben zu können, werden Überlebensstrategien entwickelt. Diese können gerade bei Jugendlichen in Form von autoaggressiven Verhaltensweisen wie Sucht, Selbstverletzung bis hin zur Suizidalität, aber auch in einer Überanpassung an Erwartungen oder Leistungen auftreten. Zudem können sie sich auch in Beziehungsschwierigkeiten, unadäquatem, oft massiv aggressivem Verhalten gegenüber Dritten (z. B. Schule, Arbeitsplatz) äussern.
Gewaltbetroffene Mädchen und junge Frauen dürfen aber nicht nur auf ihren Opferstatus reduziert werden. Sie haben Strategien und Ressourcen entwickelt für den Umgang mit der schwierigen Situation und leben in vielen anderen Belangen vielleicht ein ganz «normales» Leben als Jugendliche.

 

Die Situation von gewaltbetroffenen Mädchen und jungen Frauen

Ambivalenz
Fast alle gewaltbetroffenen jungen Frauen sind sehr ambivalent. Sie erleben eine Berg- und Talfahrt und ein Hin und Her der Gefühle. Oft wissen sie selber nicht mehr, was sie denken sollen. In einem Moment sind sie froh darüber, dass sie sich Hilfe geholt und das Schweigen gebrochen haben, im nächsten wünschen sie sich, sie hätten diesen Schritt nie gewagt. Sie sind überfordert mit dem Auf und Ab in ihrem Innersten. Einige finden sich kaum mehr zurecht und befürchten, dass sie verrückt werden.
Für die jungen Frauen ist es sehr schwierig, die ambivalenten Gefühle gegenüber ihrer Familie einzuordnen. Trotz aller negativen Erlebnisse und trotz der erlittenen Gewalt bleibt die Familie immer auch ein Sehnsuchtsort: Die jungen Frauen lieben ihre Eltern, und es gibt in jedem Fall schöne und gute Erinnerungen an zu Hause. Vielen von ihnen wäre es am liebsten, sie könnten nach Hause zurückkehren, die Gewalt würde aufhören und es wäre einfach alles gut.

 

Ängste
Gewaltbetroffene junge Frauen sind verschiedenen Ängsten ausgesetzt. Viele junge Frauen haben Angst vor der Zukunft. Ihnen fehlen Perspektiven und sie wissen nicht, wie es weitergehen wird, wo sie wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen können.
Grosse Angst haben gewaltbetroffene Jugendliche davor, ihre Familien zu verlieren und alleine dazustehen. Sie wissen nicht, wie die Familie auf den «Verrat» reagieren wird, und fühlen sich einsam und verloren. So wurde ihnen vor ihrem Weggang aus der Familie zum Beispiel Gewalt oder das Zurückbringen ins Herkunftsland angedroht, falls sie nicht gehorchen oder mit ihrer Geschichte nach aussen treten. Diese jungen Frauen leben mit der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Sie sind stark eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit. Einige von ihnen sind sogar mit dem Tod bedroht worden und trauen ihren Familien zu, die Drohung wahr zu machen.

 

Schuld- und Schamgefühle
Viele Betroffene leben mit ständigen Schuld- und Schamgefühlen. Sie schämen sich für das Erlebte, trauen sich nicht, darüber zu reden und suchen die Schuld dafür bei sich selber. Sie denken, dass ihr Verhalten oder sie selber Anlass für die erlebte Gewalt waren. Besonders ausgeprägt sind Schuld- und Schamgefühle bei jungen Frauen, die sexuell ausgebeutet wurden.
Kognitiv verstehen viele gewaltbetroffene Mädchen und junge Frauen mit der Zeit, dass die Verantwortung für Gewalthandlungen bei der erwachsenen oder der ihnen überlegenen Person liegt. Trotzdem bleiben die Schuld- und Schamgefühle tief verankert.

 

Trauer und Wut
Gewaltbetroffene junge Frauen erleben ein Wechselbad der Gefühle. Oftmals sind Jugendliche, die aus ihren Familien weggehen, zu Beginn voller Wut. Schon nach wenigen Tagen kommen andere Gefühle dazu: Trauer und Enttäuschung über das Erlebte, der Verlust der Familie und Heimweh. Weggehen von zu Hause ist nicht einfach, es braucht viel Mut und Kraft.

Das Mädchenhaus ist Mitglied der Arbeitsgruppe LIwJ (Leitungen der Institutionen für weibliche Jugendliche) und hat am folgendem Positionspapier mitgearbeitet.

LIwJ-Positionspapier zur Genderfrage

 

Gewalt gegen Mädchen: Es braucht mehr Schutzplätze 
Beitrag in SRF Rundschau, Mai 2023

Gewalt gegen Mädchen - Rundschau

 

Gewalt in der Erziehung 
SRF Dok zum Thema, Oktober 2021

Gewalt in der Erziehung | Wenn Eltern die Kinder physisch und psychisch misshandeln | Doku | SRF Dok - YouTube

 

Podcast 25 Jahre Mädchenhaus Zürich 

SRF Echo der Zeit, Dezember 2019

https://www.srf.ch/...

 

Bericht über das Mädchenhaus Zürich «Es ist für die Mädchen das erste Mal, dass sie nicht als Lügnerinnen beschimpft werden»

hellozurich das Stadtmagazin, Dezember 2019
https://www.hellozurich.ch/...

 

Bericht über die Wichtigkeit des Angebots «Mädchenhaus Zürich» und dessen Finanzierung

Onlinemagazin Das Lamm, Dezember 2019
https://daslamm.ch/...
 

 

Bericht zum Buch «Gewaltige Geschichten – und das Leben danach» in dem sechs Frauen auf ihre Zeit im Mädchenhaus zurückblicken»

PS Die Linke Zürcher Zeitung, November 2019
https://www.pszeitung.ch/...

 

Film «was du tun kannst, wenn Eltern dich schlagen.

Social Media Magazin Izzy, Mai 2019 
Was du tun kannst, wenn dich deine Eltern schlagen - YouTube

 

Reaktion auf den Clip “viele sind wir”

20 Minuten, November 2018
https://www.20min.ch/story/...

 

Bericht über anonyme Schutzplätze für misshandelte Mädchen in der Schweiz

Tagblatt, März 2018
https://www.tagblatt.ch/...
 


 

 

 

 

 

 

Berichte über die hohe Belegung Anfang des Jahres 2017 im Mädchenhaus
Top Online
Landbote

Radio-Sendung mit Mitwirkung des Mädchenhauses Zürich zum Thema Sexuelle Gewalt
SRF3 Input: "Sexuelle Gewalt: wenn sogar Mami wegschaut". Ausgestrahlt am 6.12.2015. Autorin: Reena Thelly
http://www.srf.ch/sendungen/input/sexuelle-gewalt-wenn-sogar-mami-wegschaut

Zuflucht ins Mädchenhaus
Fachzeitschrift SozialAktuell
März 2015
bericht-sozialaktuell-maerz-2015.pdf (PDF; 276.0 KB)

Jubiläum: 20 Jahre Mädchenhaus
SRF1 Schweiz Aktuell, Beitrag vom 10.11.2014
http://www.srf.ch/sendungen/schweiz-aktuell/

Jubiläum: 20 Jahre Mädchenhaus
Artikel in der P.S. Zeitung vom 30.10.2014
interview-20-jahre-maedchenhaus.zip (ZIP; 526.0 KB)

Mädchenhaus-warum nur in Zürich?
Radio SRF1, Regional-Diagonal, 5.7.2014
http://www.srf.ch/player/radio/regional-diagonal/audio/

20 Jahre Mädchenhaus Zürich
Tagblatt der Stadt Zürich, 2.7.2014
tagblatt-der-stadt-zuerich-2-juli-2014.pdf (PDF; 132.0 KB)

20 Jahre Mädchenhaus Zürich
Radio SRF1 Regionaljournal Zürich-Schaffhausen, 2.7.2014
http://www.srf.ch/news/regional/zuerich-schaffhausen/

Ein Jahr nach der Einführung der neuen Gesetzgebung Zwangsheirat
Beitrag SRF, Sendung 10vor10 27.6.2014
http://www.srf.ch/player/tv/10vor10/video/

Mädchenhaus in Zürich voll ausgelastet
Tele Top, Top Regio Zürich, 25.6.2014
http://www.teletop.ch/programm/sendungen/top-news/detail/art

Mädchenhaus Biel: Geld und Räume fehlen
Bieler Tagblatt 7.4.2014
mit Zweittext: 20 Jahre Mädchenhaus in Zürich
bieler-tagblatt-7-4-14.pdf (PDF; 877.0 KB)
Vom Heim Weh

Zeitschrift Wir Eltern März 2014
Eine Reportage übers Mädchenhaus mit Stimmen von drei ehemaligen Bewohnerinnen
maedchenhaus-wir-eltern-maerz-2014.pdf (PDF; 361.0 KB)
Radio 24, Mittagssendung vom 16.7.2013

zum Thema Zwangsheirat
radio_24_16-07-2013_121052-121312_.mp3 (MP3 Audio; 4.3 MB)
Zwangsheiraten bleiben ein Problem

Mädchenhaus im SRF Tagesschau-Beitrag vom 16.7.2013
http://www.srf.ch/player/tv/tagesschau/video/zwangsheiraten-bleiben-ein-problem
Mehr Anfragen vor den Sommerferien

Radio Zürisee, Mittagssendung vom 16.7.2013
http://www.radio.ch/de/podcasts/newsarchiv/#.Ue5wp-l3Czc.email

Spenden - Themenzeitung von Mediaplanet
Spenden auch Sie fürs Mädchenhaus Zürich!
http://bit.ly/Spenden2013

Bericht über das Mädchenhaus Zürich in der Beilage im Tagesanzeiger vom Juni 2013 auf Seite 14

Wohin Mädchen vor ihren Eltern fliehen
Bericht in der Aargauer Zeitung vom 25. Nov. 2012
aarg-zeitung-25-11-12.pdf (PDF; 847.0 KB)

Hoffnungsschimmer - das Mädchenhaus bietet Schutz und Betreuung
von Linda Solanki
Okt. 2012
http://www.westnetz.ch/story/hoffnungsschimmer

«Ja, ich muss»
Wochenzeitschriften "Sonntag" und "Leben und Glauben" vom Juli 2012
Zur Heirat gezwungen
wochenzeitschriften-sonntag-und_leben-und-glauben-2012-zwangsheirat.pdf (PDF; 1'010.0 KB)

Verlorene Töchter
NZZ am Sonntag 1. April 2012
nzz-am-sonntag-1-4-2012.pdf (PDF; 332.0 KB)

Flucht vor der Zwangsverlobung
Tagesanzeiger 17.12.2011
Als unbeschwerte junge Frau reiste Laura S. in die Sommerferien ins ehemalige Jugoslawien. Zurück kehrte sie als versprochene Gattin.
tagesanzeiger-dez-2011-zwangsheirat.pdf (PDF; 741.0 KB)

«Ich habe ein riesiges Problem, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll»
Sonntagszeitung, 20.11.2011
Täglich gehen bei Notrufzentralen, Beratungstelefonen und Firmenhotlines Tausende von Anrufen ein. Es geht um Leben und Tod, aber auch um zerbröselnde Nidelzeltli. Wir haben einen Tag lang mitgehört.
sonntagszeitung-nov-2011-24h-in-der-ch.pdf (PDF; 2.8 MB)

«Clan setzt Töchter unter Druck»
Interview mit Karin Aeberhard; Der Landbote, 30. Juli 2011
Auch in der Schweiz werden junge Frauen unter Zwang verheiratet. Viele lassen sich zwar beraten, zum Beispiel im Mädchenhaus Zürich. Sich der Familie zu widersetzen, schaffen nur wenige.
landbote-zwangsheirat_2011-07-30.pdf (PDF; 229.0 KB)

Radiobeitrag zum Thema Zwangsheirat
Schweizer Radio DRS, Rendezvous, 27. Juli 2011
Sommerzeit ist Ferienzeit – für Viele eine Zeit der Angst vor einer Zwangsheirat.
110727-rdv-zwangsheirat.mp3 (MP3 Audio; 3.0 MB)

«Zwangsheirat ist keine Ausländer-Angelegenheit»
Limmattaler Zeitung, 15. Juli 2011
Mit dem Ferienfieber steigt die Angst vor einer erzwungenen Hochzeit – auch bei Jugendlichen in der Region
limmattalerzeitung.pdf (PDF; 417.0 KB)

Wenn zu Hause die Hölle ist
Tagesanzeiger 21.3.2011
Das Zürcher Mädchenhaus bietet jungen Frauen, die Gewalt in der Familie ausgesetzt sind, Zuflucht. Zwei Betroffene erzählen.
smd_dossier.pdf (PDF; 115.0 KB)

Keine Wahl
Sonntagszeitung 6.3.2011
Zwangsverheiratungen zerstören das Leben vieler Jugendlicher. Ein Opfer erzählt.
110306_zwangsheirat.pdf (PDF; 286.0 KB)

TV-Beitrag "Schutz vor Gewalt" übers Mädchenhaus Zürich vom 16.12. 2010:
http://www.sendungen.sf.tv/schweiz-aktuell/Sendungen/schweiz-aktuell/

Schutz vor Zwangsheirat und Gewalt: Das Mädchenhaus ist voll belegt

Tagesanzeiger 26.11.2010
Im Mädchenhaus Zürich, wo von Gewalt betroffene Mädchen und junge Frauen Unterschlupf finden, steigt die Zahl der Hilfesuchenden.
tages-anzeiger_2010-11-26.pdf (PDF; 35.0 KB)

Aktueller Radio-Beitrag mit Mitwirkung des Mädchenhauses Zürich
DRS3 Input: "Migrantentöchter unter der Knute". Ausgestrahlt am 13.6.2010. Autor: Gaudenz Weber
http://www.drs3.ch/www/de/drs3/sendungen/input/

Muslimische Mädchen sind besonders gefährdet
Tagesanzeiger 14.5.2010
Das Tötungsdelikt an der 16-jährigen Swera in Höngg wirft ein Schlaglicht auf die vielschichtigen Probleme muslimischer Migranten.
tages-anzeiger_2010-05-14.pdf (PDF; 53.0 KB)